11. April 2009 von KG
Mit großer Freude kann ich mitteilen, dass endlich der Durchbruch bei meinem "Akkordpermutationsprogramm" erfolgte: Das Programm ist in der Lage, die möglichen 68.586.311 Akkorde zu berechnen und zu speichern, alle Testabfragen gegen die Datenbank liefen erfolgreich.
Der Quellcode ist auf Google Code veröffentlicht, wenn auch noch nicht "gesäubert".
Für mich rückt die Fertigstellung eines musikalischen Projekts, das mich nunmehr seit über zwanzig Jahren begleitet, wieder in den Bereich des Realen.
Die Berechnungszeit dauert nur noch etwa 2 Tage, der erforderliche Speicherplatz ~35 GByte (im Vergleich zu mehreren Wochen und mind. 120 GByte). Auch wenn ich sie liebgewonnen hatte, bin ich von der H2-DB wieder zu MySQL zurückgekehrt, da H2 offensichtlich kein Index-based Locking unterstützt und mit versetzten Transaktionen nicht zurechtkam.
Für alle Nichteingeweihten: Was das Programm bewirkt, warum es sinnvoll sein kann, über 68 Millionen Akkorde zu berechnen und zu speichern, folgt später in einem ausführlicheren Beitrag.
1. September 2008 von KG
Der Twitterer philharmoniker, hinter dem sich Frank Tentler verbirgt, mitverantwortlich für den Web 2.0-Auftritt des GMD/Chefdirigenten der Duisburger Philharmoniker, Jonathan Darlington, stellte jüngst eine Anfrage, was man sich als ideale "Dirigenten-Website" vorstellte.
Nur mit ausgefeilten Kompressionsalgorithmen könnte ich meine Gedanken dazu in eine 140 Zeichen umfassende Textnachricht quetschen. Das Entschlüsseln dauert länger als die Entschlüsselung der Pepysschen Tagebücher. Also gleich ins Blog damit.
Ausgehend von der Frage, wer sich eigentlich für solch eine Seite interessieren könnte, kommen mir folgende Zielgruppen in den Sinn:
- Menschen, die an Aufführungen interessiert sind, die der Dirigent leitet;
- Menschen, die sich fürs Dirigieren allgemein interessieren
- solche, die gar nicht wissen, was ein Dirigent eigentlich macht
- solche, die es wissen, aber mehr erfahren möchten
- Menschen, die sich fürs Dirigieren als berufliche Tätigkeit interessieren (Nachwuchsdirigenten)
- Menschen, die speziell an der Person des Dirigenten interessiert sind und mehr über seine ästhetische, musikalische, künstlerische Auffassung erfahren möchten.
Ausgehend von diesen Zielgruppen lassen sich folgende Angebote entwickeln:
Menschen, die an Aufführungen interessiert sind, die der Dirigent leitet
Für diese sollte ein stets aktueller Terminkalender verfügbar sein, aus dem alle geplanten Konzerte, öffentliche Generalproben, Vorträge etc. etc. hervorgehen. Wenns geht, mit direkter Bestellmöglichkeit und Early Bird-Rabatten
Für die Daheimgebliebenen Live-Streams der Aufführungen.
Menschen, die sich fürs Dirigieren allgemein interessieren
>>Solche, die gar nicht wissen, was ein Dirigent eigentlich macht
Für die FUDers sollte es eine kleine Einführung in die Techniken des Dirigierens geben (ich erinnere dunkel ein Karl Böhm-Zitat, nach dem die Schlagtechnik als in einer guten Stunde vermittelt werden kann). Wenn Geld keine Rolle spielt: Wii-Spiel entwickeln und kostenlos verteilen, mit dem man Dirigieren üben kann (oder ist so etwas schon vorhanden?)
Ferner etwas zur Historie, z.B. zum Taktstock des Tanzmeisters, zur Orchesterleitung vom Cembalo aus. Zum Taktstock und Dirigierstilen (z.B. Boulez), jeweils mit Videos. Zu Ensembles, die ohne Dirigenten auskommen.
Dann ein wenig Statistik (Flash-Animationen, mit denen man die Lebenswartung einer Dirigentin vergleichen kann mit der, sagen wir, eines 2.en Posaunisten, einer Konzertmeisterin etc. oder, wenn das Stat. Bundesamt mitspielt, auch mit der von Politikern, CEOs, Serienkillern
>>Solche, die es wissen, aber mehr erfahren möchten
Hier wären zum einen Live-Streams von Aufführungen oder Proben sehr interessant. Ggf. auch fertige Aufnahmen zum Reinhören.
Ebenfalls interessant fände ich, Ergebnisse der Probenarbeit zu vergleichen mit den ersten Proben.
Also von einem Stück, das noch ganz neu und roh ist (nicht im Repertoire, aber auch keine Aleatorik
eine für den Dirigenten wichtige Passage finden lassen, die in jedem Fall intensiv geprobt wird. Dann von allen Proben diesen Ausschnitt aufnehmen und nebeneinander stellen (als Stream).
Vielleicht Antworten auf die Fragen, wie genau geprobt wird, was sich der Dirigent als Ergebnis der Proben vorstellt.
Und etwas zu der Frage, inwieweit der Dirigent in die Verwaltung und die Programmgestaltung einbezogen wird, vielleicht als Interview.
Schließlich in jedem Fall etwas dazu, wie gefährlich und teils lebensgefährlich dieser Beruf ist, mit Verweisen auf Lully, der sich ja am Fuß beim Taktstampfen verletzte, ferner auf den Mahler-Vorgänger (?Nachfolger? erinnere ich gerad nicht aus dem Kopf und hab meine Bibliothek nicht parat) und zB. http://klassische-musik.suite101.de/article.cfm/dirigenten_und_taktstoecke
Menschen, die sich fürs Dirigieren als berufliche Tätigkeit interessieren (Nachwuchsdirigenten)
Antworten auf Fragen wie "muss ich ein absolutes Gehör haben, um Dirigent werden zu können?", "ich kann keine Noten lesen, aber mit einem Baseballschläger hantieren, reicht das?", "wenn ich Partituren mehrstimmig zwar nicht auf dem Klavier, aber auf der Posaune (Obertöne!) spielen kann, werde ich dann ein guter Dirigent?", "was ist das eigentlich: Diligent?" Etc.
Also eine ehrliche Aussage des Dirigenten dazu, was die Grundvoraussetzungen sind, um sich beruflich mit dem Dirigieren zu beschäftigen. Ggf. mit ein paar interaktiven Gehörbildungstrainings (finde den falschen Ton in Probenaufnahmen). Und Links zu den einschlägigen Musikhochschulen(Universitäten, Verbänden, Ansprechpartnern, Portalen.
Menschen, die speziell an der Person des Dirigenten interessiert sind (…)
Viele möchten sicherlich gerne etwas erfahren, welcher Mensch hinter der musikalischen Position steht. Das kann sich auf private Details beziehen (Familiensituation, wie sieht ein typischer Arbeitstag aus?), aber auch auf ästhetische – Hör- und Lese- und Sehempfehlungen wären nett, ebenso eine Antwort auf die Frage, weshalb der Dirigent eigentlich Dirigent und nicht Programmierer geworden ist (was heutzutage doch immer die erste und offensichtliche Wahl wäre, oder?).
Schließlich wäre hier auch Platz für Autogrammanfragen oder für die Kontaktaufnahme, ebenso für die Registrierung zu Workshops etc.
Ob man spezielle Seiten für Kinder erstellen soll, die sich mit dem Dirigieren beschäftigen, wage ich zu bezweifeln. Aus eigener Erinnerung (und Beobachtung "meiner" [sind nicht mein Eigentum, nur meine Schutzbefohlenen] und andrer Kinder) sind die Instrumentalisten, ist das Orchester, viel interessanter als die Dirigentin. Weil diese ja keine (oder nur unpassende) Geräusche macht. Ggf. könnten Mitschnitte der Probenarbeit speziell für Kinder sinnvoll sein, besser wären aber Konzerte speziell für Kinder ITRW.
Und dann sollte noch unbedingt aktuelle Verweise auf so interessante, neuartige Projekte aus dem Umfeld des Dirigenten wie z.B. "Stockhausens Erben" von anachorete, schwarzesgold, philharmoniker et al. vorhanden sein, die beweisen, dass der Dirigent selbst hinter der Site steht und nicht die Marketingfirma seines Plattenlabels.
12. September 2007 von KG
Dirigent: Marek Janowski. Programm: Debussy, Musik zum Ballet Khamma, Busoni Violinkonzert op. 35a (F.P. Zimmermann), Sibelius, 4.e Sinfonie.
Liebloser, uninspirierter Abend. Was ich dem Orchester wünsche: Einen präzisionsbesessenen, musikbegeisterten Dirigenten, der ihm beibringt, wieder miteinander zu musizieren, nicht nebeneinander Musik herunterzuleiern. Und Marek Janowski – den Graben. Da wird er gute Arbeit leisten, treu und ohne Mimik den 500.en Troubadour aufzuführen helfen.
Viel ist daran, dass ein guter Lehrer meist eher leise und verhalten spricht, während der schlechte gegen die Klasse brüllt. Janowski rudert sicht ins Uferlose und doch mit der geringsten Wirkung. Schon bei der Balletmusik Debussys, die im Konzertsaal wenig verloren hat, aber durchaus interessant auch für das zeitgenössische Tanztheater verwertet werden kann, zeigte sich, dass Marek Janowski seinen Kopf nicht einzusetzen vermag: Ohne erkennbare Mimik, scheinbar ohne Anteilnahme an der Musik, wird hier "durchdirigiert".
Im Violonkonzertchen von Busoni, einem Konzertstück näher als den monumentalen Konzerten Brahms, Beethovens, sogar Dvoraks, übernahm der routinierte Frank Peter Zimmermann deshalb manchmal den Part des Dirigenten. Dass die beiden Stimmen aus dem Andante der Bach Solosonate BWV 1003, die Zimmermann als Zugabe spielte, mehr "miteinander" musizierten, kennzeichnete diesen unterdurchschnittlichen Abend.
Hier half wenig, dass Marek Janowski die Sibelius-Sinfonie auswendig dirigierte. Zwar waren einige gut geprobte Stellen hörbar (vor allem im 3.en Satz, Tempo di largo), dies aber vor allem in den einzelnen Stimmen (am herausragendsten die Celli), indes fehlte es am Miteinander, am Aufeinander-Hören.
25. August 2006 von KG
Aus dem Gespräch mit Ida Dehmel (März 05, Fahrt von Hamburg nach Berlin): "Wir Musiker sind ja übler dran als die Dichter. Lesen kann jeder. Aber eine gedruckte Partitur ist ein Buch mit sieben Siegeln.". Lesen können nur ganz wenige, speziell in der hybriden Muse, der Lyrik. Das rezeptive Missverständnis liegt hier nur meist nicht in der musikalischen, "klanglichen" Vorstellung, sondern in der literarischen. Wobei die klangliche Vorstellung auch eine ganz wesentliche Rolle spielen *kann*: Hier ist dann aus meiner Sicht die Partitur dem Text überlegen, da ein Gedicht von Kling oder Jandl ganz frei von klanglicher Notationselementen ist – ganz im Gegenteil zu einer Partitur, insbesondere einer von Mahler.